ACTEnglish version
News | 8.12.2015
SmartRegion Pellworm

Regenerativ gespeicherter Strom für die Insel

Strominfrastruktur ergänzt: Auf der Nordseeinsel Pellworm wurde ein spezielles Speichersystem errichtet und Stromanschlüsse der Kunden über Datenverbindungen mit Windenergie- und Photovoltaikanlagen gekoppelt. Das soll schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien abfedern und die Verwertung vor Ort verbessern.
© Carsten Bernot

Windenergie- und Photovoltaikanlagen erzeugen nicht immer genau dann den Strom, wenn er gebraucht wird. Auf der Nordseeinsel Pellworm erprobt daher Schleswig-Holstein Netz die lokale Speicherung von regenerativ erzeugtem Strom. Nun belegte das Projekt SmartRegion Pellworm den 1. Platz beim German Renewables Award.

Auf Pellworm wird im Schnitt dreimal so viel Strom produziert wie 1.200 Nordsee-Insulaner verbrauchen. Seit 2012 arbeiten daher ein Verbund aus Industrie und Wissenschaft für die SmartRegion Pellworm. Ziel war es unter anderem, die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien abzufedern und deren Verwertung vor Ort deutlich zu verbessern. Auf der Insel wurde hierzu ein spezielles Speichersystem errichtet und die Stromanschlüsse der Kunden über Datenverbindungen mit den Windenergie- und Photovoltaikanlagen gekoppelt sowie die vorhandene Strominfrastruktur auf der Insel durch unterschiedliche Komponenten ergänzt. Zum Start des Projektes erhielt Pellworm das erste intelligente Stromnetz in Norddeutschland.

Erster Platz für „Projekt des Jahres“

SmartRegion Pellworm gewann den German Renewables Award 2015 in der Kategorie „Projekt des Jahres“. Der Preis wird vom Cluster Erneuerbare Energien Hamburg vergeben. „Die Hansewerk AG und die Schleswig-Holstein Netz GmbH haben über Jahrzehnte auf der Nordseeinsel ein Versorgungssystem geschaffen, das sich durch einen hohen Einsatz Erneuerbarer Energien auszeichnet“, heißt es in der Urteilsbegründung. Das Projekt SmartRegion Pellworm erhielt nach dem Umweltpreis der schleswig-holsteinischen Wirtschaft 2014 und dem Publikumspreis im Bundeswettbewerb „Land der Energien“ im Jahr 2014 bereits zum dritten Mal den ersten Preis.

Großspeicher ist Lang- und Kurzzeitspeicher zugleich

Als Großspeicher dient eine sogenannte Redox-Flow-Batterie . Mit einer Speicherkapazität von 1.600 Kilowattstunden und einer maximalen Leistung von 200 Kilowatt kann die Batterie innerhalb von acht Stunden komplett geladen oder entladen werden. So lässt sie sich als Langzeitspeicher einsetzen. Das Speichersystem der Insel wurde um eine leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterie ergänzt. Sie hat eine Speicherkapazität von 560 Kilowattstunden und lässt sich in rund einer halben Stunde komplett entladen und innerhalb einer Stunde laden. Somit dienst sie als Kurzzeitspeicher. In insgesamt elf Haushalten stehen außerdem Lithium-Ionen-Haushaltsspeicher. Diese Kurzzeitspeicher gibt es in zwei Leistungsklassen: 4,5 oder 10 Kilowatt.

Speicher, Leistungselektronik und Energiemanagement-System

Sind die Speicher voll, wird die überschüssige Energie über zwei Seekabel ins Netz auf dem Festland eingespeist. Darüber hinaus wird der Datenaustausch zwischen den Stromanschlüssen und den Erzeugungsanlagen auf der Insel erprobt und weiterentwickelt. „Leistungsstarke Batterien, Haushaltsspeicher, Elektrospeicherheizungen sowie Elektroautos ermöglichen das lokale Speichern von regenerativ erzeugtem Strom. So brennt das Licht auch dann noch, wenn sich die Mühlen bei Flaute mal nicht drehen“, sagt Dieter Haack, Leiter des Projektes SmartRegion Pellworm.
Die beiden Ortsnetz-Transformatoren regeln automatisch die Spannung im Netz, sodass sie konstant auf 400 Volt gehalten wird und das Netz stabil bleibt. Die ein Megawatt starke Leistungselektronik bildet die Schnittstelle zwischen der Lithium-Ionen-Batterie und dem Netz. Sie wandelt den Wechselstrom aus dem Netz in Gleichstrom für die Batterie um und umgekehrt.

Ein Energiemanagement-System steuert die SmartRegion Pellworm und die Speicher. Das System bildet Energieprognosen aus vielen Einflussfaktoren spezifisch für die Insel Pellworm. Dazu gehören zum Beispiel Wetterdaten. Ein Solarfeld und eine Windenergieanlage produzieren zusammen als Hybridkraftwerk zu Spitzenzeiten etwas mehr als ein Megawatt Leistung aus erneuerbaren Energien. Der produzierte Strom reicht für die Versorgung der rund 650 Haushalte auf der Insel.
Was heute auf Pellworm in kleinem Maßstab realisiert wird, könnte dazu beitragen, die alten Abhängigkeiten der Energiewelt zu reduzieren und durch Koppelung von Energieerzeugung und -verbrauch das vorhandene Energiesystem besser zu nutzen und so leistungsfähiger zu machen.

Gefördert durch die Bundesregierung aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Termine

24. Januar 2018
6. Batterieforum Deutschland

13. März 2018
Energy Storage Europe 2018

13. März 2018
Energiespeicher & Wärmepumpentechnologie

» Alle Termine

Geförderte Projekte

Projektsuche
» Alle Projekte