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Stofflicher Speicher
BMWi
HyINTEGER 18.4.2017

vvv Bohrungen in Untergrundoperationen weisen prinzipiell mehrere potenzielle Leckagerisiken auf.
© Pudlo, 2017 - modifiziert, nach Gasda

Wasserstoff langfristig unterirdisch speichern

Im Projekt H2STORE fanden Wissenschaftler heraus, dass Wasserstoff unter spezifischen Bedingungen Gesteinsveränderungen hervorrufen kann. Allerdings kann das Gas auch in anderen Materialien, wie etwa Stahllegierungen, Alterationen verursachen. Daher untersuchen die Forscher im Folgeprojekt HyINTEGER nun das Zusammenspiel zwischen den technischen Komponenten und den natürlichen Reservoir-Bestandteilen. Das soll helfen, eine längerfristige Speicherung von Energie zu ermöglichen.

Projektstatus Laborexperimente für Evaluierung
Projektlaufzeit Januar 2016 bis Dezember 2018

Das HyINTEGER-Vorhaben baut auf den Ergebnissen des vorangegangenen H2STORE-Projektes auf. In diesem Projekt wurde der Einfluss einer Wasserstoffspeicherung auf Gesteine potentieller Porenreservoire (Sandsteinhorizonte) im geologischen Untergrund untersucht. Diese Arbeiten zeigten, dass Wasserstoff unter spezifischen Bedingungen Gesteinsveränderungen bedingen kann. Auch in anderen Materialien, wie beispielsweise Stahl, Bohrlochzement und Elastomerdichtungen, kann es möglicherweise Alterationen hervorrufen. Daher untersuchen Forscher in HyINTEGER die Interaktion zwischen den technischen Komponenten und den natürlichen Reservoir-Bestandteilen (Gesteinen und Porenfluide) unter Druck- und Temperaturbedingungen in wasserstoffführenden Umgebungen. Hierzu sind Laborexperimente geplant, die unter standortspezifischen Bedingungen mit verschiedenen Gasphasen (H2, H2-CH4, H2-CO2, CO2) durchgeführt werden. Dabei sollen unter anderem mineralogisch-chemische, petrophysikalische und mikrobiologische Parameter betrachtet, deren Einfluss etwa auf die Reservoir-Eigenschaften, die Sicherheit (Dichtigkeit) der Speicher und den Fluidfluss im Reservoir und entlang der Bohrlöcher evaluiert werden. Das soll eine Abschätzung von Leckagerisken bei zyklischen Wasserstoffein- und ausspeisungen und der Integrität von Bohrungen und Speichern ermöglichen.

  • Struktur und Aufgaben des HyINTEGER-Verbundes © D. Pudlo, 2016
  • Bohrungen in Untergrundoperationen weisen prinzipiell mehrere potenzielle Leckagerisiken auf. © D. Pudlo, 2017 (modifiziert, nach Gasda, S.)
  • Abhängig von den spezifischen Bedingungen (Druck, Temperatur, Porenfluidzusammensetzung) einiger Standorte können Mineralreaktionen (hier Anhydritlösung) auftreten - Rasterelektronenaufnahme eines identischen Dünnschliffausschnittes vor und nach Autokaven-Experimenten mit H2. Da diese Prozesse jedoch standortspezifisch sind, wurden für andere Lokationen solche Veränderungen nicht nachgewiesen. © S. Henkel, 2016
  • Mikroskopische Dünnschliffaufnahmen von zwei potentiellen ReservoirSandsteinen. Oben ist ein Sandstein gezeigt, in dem der Porenraum (in blau - P) teilweise stark durch Anhydrit (A) zementiert ist, unten ist ein anhydritfreier Sandstein gezeigt. Durch eine Anhydritlösung kann somit die Speicherkapazität (Porenvolumen) von Untergrundreservoiren deutlich erhöht werden. Der Klastenbestand besteht in beiden vor allem aus Quarz (Qz), Feldspat (Fs) und Lithoklasten (Lk). © S. Henkel/D. Pudlo, 2012
  • Autoklaven-Installation für Hochdruck-Hochtemperatur(HPHT)-Experimente mit Wasserstoff an der TU Clausthal: Im oberen Teil befinden sich zwei Autoklaven, die mit verschiedenen Steuergeräten, wie Thermostat, Steuergerät für Magnetrührer, im unteren Bereich verbunden sind. © ITE, TU Clausthal, 2017
  • Im Labor hergestellte Verbundprobe aus Sandstein (links), Bohrlochzement (Mitte) und Stahllegierung (rechts), wie sie in den Autoklaven-Experimenten benutzt wird. Die Proben besitzen eine Höhe von rund 5 Zentimetern und einen Durchmesser von etwa 3 Zentimetern. © ITE, TU Clausthal, 2017
  • Die Simulation zeigt die räumliche Ausbreitung von Wasserstoff in einer antiklinalen Speicherstruktur nach etwa 9 Jahren zyklischem Betrieb. © ITE, TU Clausthal, 2017
  • Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme von biofilmartigen Strukturen auf der Oberfläche einer, für die Versuche inkubierten Gesteinsprobe © S. Lerm, 2016
  • Bandenmuster von genetischen Fingerprint-Analysen, zur Charakterisierung der Biozönosen © S. Lerm, 2016
  • Strömungsfeld im Porenraum einer segmentierten 3D-Struktur, simuliert nach dem DRP- (Digital Rock Physics) Konzept aus Mikro-CT-Untersuchungen © JGU Mainz, 2017
  • Visualisierung eines Zwischenschrittes in der reaktiven Transportsimulation von kinetisch kontrollierter Calcit-Lösung bei konstantem Durchfluss sauren Wassers (von rechts nach links) © JGU Mainz, 2017
  • 2D-Darstellung der 3D-Ausbreitung von einströmendem sauren Wasser (v. l.) durch Mischung mit dem ursprünglichen Porenfluid und Reaktion mit vorhandenen Calcitkörnern anhand des Einflusses auf den pH-Wert (oben), die Elektronenaktivität (Mitte) und den Calciumgehalt (unten). © JGU Mainz, 2017

Projektkontext

Das Ziel der deutschen Bundesregierung den Windenergieanteil am deutschen Energieversorgungssystem zu erhöhen und gleichzeitig damit verbundene witterungsbedingte Schwankungen in der Stromproduktion zu vermeiden, erfordert u. a. eine Umwandlung von Energie in ein längerfristig speicherbares Medium. Der Herstellung von Wasserstoff mittels Elektrolyse aus Wasser wird dabei eine zentrale Stellung beigemessen. Erfordert aber auch eine grundlegend neue Konzeption in der Speicherung großer Strommengen. Ein möglicher Weg könnte die geologische Speicherung in ausgeförderten Erdgas- bzw. Erdöllagerstätten und bereits vorhandenen Erdgasspeichern darstellen. Hierbei muss jedoch sichergestellt sein, dass solche Standorte eingespeisten Wasserstoff oder Wasserstoff-Gasgemische nachhaltig und sicher zurückhalten können, um ein unkontrolliertes Entweichen dieser Gase zur Oberfläche hin zu vermeiden. Eine besondere Schwachstelle in vielen Produktions- und Speicherbohrungen ist dabei die Bohrung selbst. Die hierfür verwendeten Materialien, wie Stähle, Bohrlochzemente, Elastomerdichtungen, können unter den erhöhten Temperaturen und Drücken im Untergrund mit den dort zirkulierenden Porenfluiden und vorhandenen/eingespeisten Stoffen reagieren. Solche Korrosions-, Lösungs- oder Alterationsprozesse führen unter Umständen zum (ungewollten) Aufstieg von Gas- bzw. Fluidphasen und beeinträchtigen somit die Sicherheit bzw. Dichtigkeit der Speicher und schaden der Umwelt. Ziel von HyINTEGER ist es daher, mögliche Wechselwirkungen zwischen den natürlichen und technischen Komponenten von Untertagespeichern zu untersuchen und so die Eignung von Porenreservoiren zur Wasserstoffspeicherung abzuschätzen.

Forschungsfokus

Übergeordnet wollen die Forscher untersuchen, inwieweit eine Wasserstoffspeicherung in unterirdischen geologischen Porenreservoiren möglich ist, um eine längerfristige Speicherung von Energie zu ermöglichen. Eine solche Beurteilung setzt voraus, dass der eingespeiste Wasserstoff bzw. wasserstoffführende Gasphasen u. a.

  • sicher, d. h. ohne unkontrollierten Austritt zur Oberfläche, also ohne Leckagerisiko und damit ohne Umweltschädigungen eingelagert werden können,
  • die Rückförderungsraten ökonomisch darstellbar sind und
  • diese Reservoire über längere Zeiträume, d.h. über mehrere Ein- und Ausspeisezyklen hinweg unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten betrieben werden können.

Diese drei Aspekte werden innerhalb von HyINTEGER betrachtet, in dem besonders Leckagerisiken entlang von Bohrungen, mineralogisch-chemische und mikrobiologische Reaktionen im Reservoir und entlang der Bohrungen sowie Gasvermischungsprozesse im Reservoir.

Optimierung und Wirtschaftlichkeit

Hauptansatzpunkt der geplanten Arbeiten ist die Überlegung ausgeförderte Erdgas- bzw. Erdöllagerstätten und bereits existierende Erdgasspeicher innerhalb der geplanten und laufenden Energiewende weiter zu nutzen, um eine sichere und zuverlässige Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten. In Verbindung mit den im vorangegangenen H2STORE-Verbund erzielten Erkenntnissen eröffnen sich aus den Untersuchungen bzw. (erhofften) Ergebnissen aus HyINTEGER zahlreiche praktische Anwendungen. So besitzen die Experimente mit verschiedenen Gasphasen  Relevanz nicht nur für eine Wasserstoffspeicherung im Untergrund, sondern auch in (Erdgas-) Pipeline-Systemen, für die Bildung beziehungsweise Erzeugung von grünem bzw. synthetischen Methan – Power-to-Gas-Technologie – für die CCS-/CCU-Technologie und für Geothermie-Vorhaben, da die Alteration und Korrosion von Bohrungsinstallationen auch auf diesem Gebiet von zentraler Bedeutung ist. Die bereits in H2STORE begonnene und nun in HyINTEGER fortgesetzte Zusammenarbeit mit zwei internationalen Forschungsprojekten, die bereits H2-CH4-Mischungen im Rahmen von Demonstrationsprojekten auf Feldskala in die Praxis umsetzen, belegen das Interesse und die Relevanz unserer Arbeiten auch im Ausland, hinsichtlich einer sicheren, wirtschaftlichen Energiespeicherung und an Methanisierungsreaktionen mit Wasserstoffgemischen.

HyINTEGER betreibt weitestgehend Grundlagenforschung. Daher ist eine direkte wirtschaftliche Nutzung der zu erwartenden Ergebnisse nicht gegeben. Allerdings stellen diese Arbeiten zum Verhalten von wasserstoffführenden Gasphasen in natürlichen geologischen Speichern und zur Abschätzung von Leckagerisiken bzw. der Sicherheit und Dichtigkeit von solchen Reservoiren wichtige (Basis-)Informationen zur Verfügung, die u. a. für eine mögliche praktische Umsetzung einer Wasserstoffspeicherung und auch Methanerzeugung im Untergrund unabdingbar sind.

Projektstatus

Die Schwerpunkte und Arbeitsschritte der fünf beteiligten Teilprojekte können in folgende Hauptpunkte unterteilt werden:

1.    Probenselektion bei projektunterstützenden Industriepartnern vor Ort. Dieses Probenmaterial umfasst neben Bohrkernmaterial auch Teile der Bohrlochverrohrung und -versiegelung, wie Stahllegierungen, Bohrlochzemente und Elastomerverbindungen. Obwohl dieser Punkt soweit abgeschlossen ist, stellt die Industrie während der Projektlaufzeit gegebenenfalls noch weiteres Material zur Verfügung.
2.    Bau von Versuchseinrichtungen (Autoklaven) und Umbau von Laborräumen um die (sicherheitstechnischen) Anforderungen zur Durchführung der geplanten Experimente zu gewährleisten. Inzwischen ist dieser Punktabgeschlossen.
Herstellung von Verbundproben aus den in 1.) genannten verschiedenen Materialkomponenten für die geplanten Versuche. Eine Reihe von Verbundproben wurde bereits angefertigt, weitere Verbundproben sind noch in Arbeit (vergl. Punkt 1).
4.    Mineralogische, chemische, mikrobiologische, physikalische und petrophysikalische Charakterisierung des Probenmaterials, wobei Proben, die in Laborexperimenten genutzt werden sollen (s. nächsten Punkt) besonders detailliert untersucht werden/wurden.
Dieser Punkt ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
5.    Durchführung von Laborexperimenten mit den Schwerpunkten zur Evaluierung möglicher mineralogischer, chemischer, mikrobiologischer und petrophysikalischer Veränderungen des Probenmaterials durch die gewählten Versuchsbedingungen und möglicher (unterschiedlicher) Wechselwirkungen zwischen den Materialkomponenten während der Experimente. Diese Versuche werden unter den druck- und temperaturspezifischen Bedingungen der Speicherstandorte mit verschiedenen Gasphasen (H2, CO2, H2-CO2, H2-CH4) und standortspezifischen Formationsfluidzusammensetzungen durchgeführt. - Mit diesen Arbeiten wurde begonnen.
6.    Untersuchung des Probenmaterials (an identischen Proben und mit gleichen Analysemethoden), welches in den Versuchen verwendet wurde und Interpretation der Datensätze hinsichtlich möglicherweise stattgefundener Reaktionen; als Bezugspunkt dienen hier die in Punkt 4. erhobenen Daten. Weitergabe dieser Informationen und Daten an die betroffenen Arbeitsgruppen für deren numerische Simulationen.
Dieser Punkt wird sukzessive mit dem Abschluss der jeweiligen Versuchsreihen erfüllt, wobei mit ersten Ergebnissen im Sommer 2017 zu rechnen ist.
7.    Durchführung numerischer Simulationen (Modellierungen) zu den Komplexen (a) Ausbreitung von Gasphasen im Untergrund, (b) Auswirkungen zyklischer Ein- und Ausspeiseoperationen von Gasphasen auf das Reservoir und die Bohrung, (c) Alteration von Reservoirgesteinen, Bohrlochzementen, Stählen und Elastomeren, (d) Verhalten von Biozönosen bei unterschiedlichen Untergrundbedingungen und in unterschiedlichen Gaszusammensetzungen, (e) dem Einfluss von Biofilmen auf die effektiven hydraulischen Reservoirparameter  (Porosität, Permeabilität), (f) Veränderung der Reservoireigenschaften, besonders hinsichtlich der Fluidwegsamkeiten und in diesem Zusammenhang (g) Auswirkungen einer Alteration (z. B. Minerallösung, Materialversprödung, Korrosion) der Bohrlochkomponenten hinsichtlich der Sicherheit/Dichtigkeit von Wasserstoffspeichern (Abschätzung eines Leckagerisikos entlang des Bohrloches). - Theoretische Betrachtungen zu diesen Punkten wurden bereits durchgeführt, erste standortspezifische, auf den Versuchsergebnissen aufbauende Modellierungen sind für den bis etwa Herbst 2017 zu erwarten.

Teilvorhaben

Im Teilvorhaben TP1 der Friedrich-Schiller-Universität Jena werden v.a. vergleichende mineralogisch-petrographische, physikalische, geo-, hydro- und physikochemische Analysen sowie numerische Simulationen an Materialien vor und nach Laborexperimenten durchgeführt. Durch diesen Vergleich sollen mögliche, durch diese Versuche induzierte Veränderungen im Probenmaterial verifiziert und teilweise auch quantifiziert werden. Die Experimente werden in den TPs 1 - 3 mit unterschiedlichen Gasphasen (H2, H2-CH4, H2-CO2, CO2) unter standortspezifischen p- und T-Bedingungen (p ~ 5 - 20 MPa, T ~ 50 – 120 °C) an Reservoir-Gesteinen, Bohrlochzementen, Stahllegierungen und Elastomeren sowie Verbundproben aus diesen Komponenten realisiert. Die numerischen Modellierungen erfolgen mit mikrotomographischen Datensätze, die in TP 5 generiert wurden, und sollen u.a. potentielle Modifikationen der Porenstruktur anhand von Durchflusssimulationen aufzeigen, die ggf. durch versuchsinduzierte Reaktionen hervorgerufen wurden. Ziel der Arbeiten ist es den Einfluss von verschiedenen Gasphasen auf die Reservoir-Eigenschaften und die Integrität von Bohrungen zu evaluieren.

Im Teilvorhaben TP 2 der Technischen Universität Clausthal werden petrophysikalische Untersuchungen und Hochdruck-Hochtemperatur (HPHT)-Experimente zu den Wechselwirkungen zwischen Wasserstoff, Reservoir-Gestein, Verrohrung und Zement von Untergrundspeicher-Bohrungen durchgeführt. Dazu wird das zu testende Material in-situ Druck- und Temperaturbedingungen ausgesetzt. Die an den Test-Proben vorgenommenen Untersuchungen sollen die durch geochemische Wechselwirkungen hervorgerufenen Änderungen der petrophysikalischen Eigenschaften der eingesetzten Materialien aufzeigen. Die Untersuchungen sollen Aussagen über die Eignung der geprüften Materialien für die Verwendung unter den bei Wasserstoffspeicherung herrschenden Einsatzbedingungen ermöglichen.

Im Teilvorhaben TP3 des Deutschen GeoForschungsZentrums (AG Mikrobielles Geoengineering) werden die komplexen Wechselwirkungen zwischen den zur Installation und Komplettierung der Bohrungen verwendeten Materialien mit dem Gestein, den Fluiden und der mikrobiellen Lebensgemeinschaft untersucht. Dabei werden verschiedene Bedingungen insbesondere in Bezug auf die Temperatur, den Druck und die Salinität betrachtet. Die Wechselwirkungen zwischen den Bohrfluiden, der Verrohrung, der Zementation und verschiedenen Einbauten werden in Experimenten unterschiedlicher Komplexität erforscht, um das geowissenschaftliche Verständnis in Bezug auf den Einfluss biologischer Prozesse auf die Alteration und Korrosion von Werkstoffen zu erweitern. Ein wesentliches Ziel der Untersuchungen ist die Bewertung des Einflusses mikrobieller Stoffwechselprozesse auf die Bohrungsintegrität und die Korrosion an den ober- und untertägigen Installationen. Auf der Basis eines verbesserten Prozessverständnisses werden Hinweise für beständigere Materialien entwickelt, die weniger geeignet sind, den Mikroorganismen als Energie- oder Nährstoffquelle zu dienen.

Herkömmliche Softwarepakete für die Simulation von Strömungsprozessen in Untergrundreservoiren sind nicht in der Lage die mikrobiellen Stoffwechselprozesse und das damit verbundene Wachstum von Biofilmen zu berücksichtigen. Deshalb ist im Teilprojekt4 die Entwicklung von geeigneten gekoppelten mathematischen Modellen, die numerische Umsetzung und Durchführung von exemplarischen Simulationsstudien geplant. Für den Bohrungsnahbereich soll ein Modell für die Ablösung und den Transport von Biofilmen und die daraus resultierende Veränderung der effektiven Porosität und Permeabilität entwickelt werden. Weitere Simulationen sollen Aussagen über die mikrobiell induzierten Schwankungen der Gaszusammensetzung im Feldmaßstab machen.

Ziel des Teilvorhabens TP5 der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU Mainz) ist die Quantifizierung porenraumverändernder Prozesse durch Lösungs- und Fällungsreaktionen mittels Mikrocomputertomographie und darauf basierenden numerischen Simulationen. Dazu werden jeweils vor und nach den Autoklaven-Experimenten der Projektpartner µXCT Messungen an den Proben durchgeführt, die Porenräume und der Mineralphasenbestand quantifiziert sowie „Digital Rock Physics“ (DRP-)Simulationen durchgeführt. Dabei werden petrophysikalische Parameter, wie Porosität, Permeabilität, effektive Diffusivität u. a. erhoben. Mit statistischen Verfahren werden repräsentative Elementarvolumen (REV) an den Strukturen bestimmt, die als Basis für das Hochskalieren und eine Parameterweitergabe (an TP4) dienen. Im TP5 wird dazu ein Modul weiterentwickelt, das effektive Softwarecodes zur Berechnung physikalischer und geochemischer Parameter miteinander verknüpft und porenskaligen reaktiven Transport auf REV-Skala, angelehnt an die Randbedingungen der Autoklaven-Experimente, simuliert.

Publikationen

  • Henkel, S., Pudlo D., Enzmann, F., Reitenbach, V., Albrecht, D., Ganzer, L. und Gaupp, R. (2016): X-ray CT analyses, models and numerical simulations: a comparison with petrophysical analyses in an experimental CO2 study. Solid Earth, 7, S. 917-927.
  • Henkel, S., Pudlo, D., Heubeck, C. und Gaupp, R. (2016): Hydrogen/carbon dioxid energy storage in the geological underground - Petrophysical, geo- and fluid chemical effects in the sandstone reservoirs. GeoTirol 2016, Innsbruck/Austria, 25.09.-28.09.2016. Tagungsband, S. 112.
  • Henkel, S., Pudlo, D., Schatzmann, S., Albrecht, D., Reitenbach, V., Ganzer, L. und Gaupp, R. (2016): Geo- and hydrochemical variations induced during CO2 HTHP - autoclave experiments under highly saline conditions. 13th Greenhouse Gas Control Technologies (GHGT) conference, Lausanne/Switzerland, 14.11.-18.11.2016. Energy Proc. (subm.).
  • Hinz, C., Enzmann, F. und Kersten, M. (2017): Dynamic simulation of pore scale reactive transport in geological porous media. 9th International Conference on Porous Media (Interpore). Rotterdam/Netherlands, 8.-11.05.2017. Mixing and reaction in permeable media (subm.).
  • Hinz, C., Enzmann, F. und Kersten, M. (2017): Dynamic simulation of Lagrangian reactive transport in pore scale porous media. 7th Reactive Transport PhD Workshop. Leipzig, Germany, 23.02.2017.
  • Hinz, C., Enzmann, F., Becker, J. und Kersten, M. (2016): Dynamic simulation of pore scale precipitation in geological porous media. 1st Interpore German National Chapter Meeting. Leipzig/Germany, 5.-6.12.2016. Environmental applications.
  • Hinz, C., Enzmann, F., Schäfer, T., Glatt, E. und Kersten, M. (2016): Dynamic simulation of diffusion controlled celestite precipitation in pore scale porous media. 8th International Conference on Porous Media (Interpore). Cincinnati/USA, 9.-12.05.2016. ).
  • Kasina, M., Bock, S., Würdemann, H., Pudlo, D., Picard, A., Lichtschlag, A., März Ch., Wagenknecht, L., Wehrmann, L.M., Vogt, Ch., Ferdelman T.G., Meister, P. (2017): Mineralogical and geochemical analysis of Fe-phases in drill-cores from the Triassic Stuttgart Formation at Ketzin CO2 storage site before CO2 arrival. Environ Earth Sci, 76:161, DOI 10.1007/s12665-017-6460-9.
  • Pellizzari, L, Lienen, T, Kasina, M., Würdemann, H. (2017): Influence of drill mud on the microbial communities of sandstone rocks and well fluids at the Ketzin pilot site for CO2 storage. Environ. Earth Sci. 76:779.
  • Pellizzari, L., Morozova, D., Lienen, T., Würdemann, H. (2016): Comparison of the microbial community composition of pristine rock cores and technical influenced well fluids from the Ketzin pilot site for CO2 storage. Environ. Earth Sci. 75:1323.
  • Pudlo, D. (2016): H2STORE/HyINTEGER - Studies on the Effect of Hydrogen Gas Storage in (PORE) Underground Gas Reservoirs. In: Summary of the 3rd HIPS-NET Workshop, Brussels/Belgium, 22.-23.06.2016. HIPS-NET (= Hydrogen in Pipeline Systems-Network), newsletter 11, S. 10.
  • Würdemann, H. (2016). Influence of microbial processes on well performance and corrosion - results from field investigations and lab experiments with different salinity. Bio-Geo-Kolloquium des Instituts für Geowissenschaften der Universität Jena. 08.11.2016, Jena.
Gefördert durch die Bundesregierung aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Termine

23. Oktober 2017
E-Mobility Power System Integration Symposium

24. Oktober 2017
Wirtschaftliche Energiespeicher

7. November 2017
Energiespeicher & Wärmepumpentechnologie

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Infobox

Auflösung von Calcit-Körnern
Diese 3D-Animation zeigt die kontinuierliche Auflösung der Calcit-Körner (grau) aufgrund einfließenden sauren Wassers (von links nach rechts). Chloridionen dienen dabei als konservativer Tracer und werden von blau-rot dargestellt (0-1e-3 mol/L).

3D-Transportsimulation
Diese Video-Animation visualisiert die Ergebnisse einer reaktiven 3D-Transportsimulation: kinetische Auflösung von Calcit-Körnern. Die Diagramme zeigen repräsentative 2D-Schnitte und die Porositäts-Permeabilitäts-Beziehung für die gesamte Struktur. Die beiden oberen Reihen wurden aus Porenfluid-Datensätzen kontinuierlich voranschreitender Zeitschritte gewonnen.

Forschungsförderung

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.